Die demografische Zeitbombe

Die konjunkturelle Delle ist vorübergehend. Die Demografie nicht.

Die geburtenstarken Jahrgänge scheiden zwischen 2025 und 2036 aus dem Erwerbsleben aus. Der stärkste Jahrgang, 1964, zählte knapp 1,36 Millionen Geburten. Bis 2039 erreichen 13,4 Millionen Erwerbspersonen das Rentenalter. Das sind 31 Prozent aller aktuell Berufstätigen.

Die Rechnung dahinter ist deutlich. Von 2022 bis 2030 gehen 11,5 Millionen Menschen in Rente, während nur 6,8 Millionen neu in den Arbeitsmarkt eintreten. Es bleibt eine Nettolücke von rund 5 Millionen. Das IAB prognostiziert, dass das Erwerbspersonenpotenzial 2026 erstmals sinkt. Bis 2035 könnte es ohne Gegenmaßnahmen um bis zu 7 Millionen schrumpfen.

Das Erwerbspersonenpotenzial

424446485047.4202048.9202448.6202646.5203042.02035Mio.

Quelle: IAB-Projektion Erwerbspersonenpotenzial, in Millionen

Spezifisch für den Ingenieurbereich

Jeder fünfte erwerbstätige Ingenieur in Deutschland ist über 55 Jahre alt. Bis 2035 werden laut VDI und IW insgesamt rund 200.000 zusätzliche Ingenieure und Informatiker gebraucht, allein um die demografischen Abgänge und den wachsenden Bedarf durch Digitalisierung und Energiewende zu decken. Dem stehen jährlich nur 90.000 bis 100.000 junge Ingenieure gegenüber, die in Deutschland ihr Studium abschließen.

Die Lücke zwischen Bedarf und Nachschub wird sich ohne Gegenmaßnahmen ab 2026 beschleunigt öffnen. Das ist der Kern des Problems: Es ist kein Nachfrageeffekt, der mit der nächsten Erholung verschwindet, sondern ein Angebotseffekt, der sich Jahr für Jahr verschärft.

Was das kostet

Der VDI beziffert den jährlichen Wertschöpfungsverlust durch unbesetzte Ingenieurstellen auf bis zu 13 Milliarden Euro. Hochgerechnet auf die gesamte Fachkräftelücke über alle Qualifikationsniveaus schätzt das IW Köln den Verlust auf 49 Milliarden Euro pro Jahr, das entspricht 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Pro unbesetzter Stelle in einem Engpassberuf sind das im Durchschnitt 29.000 Euro entgangene Wertschöpfung.

Die Demografie lässt sich nicht durch Abwarten lösen. Sie ist der Grund, warum die Lücke nach der Rezession nicht kleiner, sondern größer zurückkehrt.


Zurück zur Übersicht des Berichts.

Weiter zum nächsten Kapitel: Osteuropa unter Druck.

Sie wollen Ihr Team aufbauen?

Wir helfen europäischen Unternehmen, Ingenieure in Tunesien einzustellen. Einfacher als Sie denken.

Kontakt aufnehmen →